von Stefan Rössel, SZ
Der Koalitionsvertrag der Landesregierung schafft Unsicherheit über die Zukunft der jungen Gemeinschaftsschule. Schulleiterin Petra Bräutigam (l.) und Elternvertreterin Madeleine Kretzschmar vor der Mittelschule Pieschen. Beide sind davon überzeugt, dass der Gemeinschaftsschulversuch wie geplant fortgesetzt werden kann.
Die Regierungsvereinbarung von CDU und FDP für die kommende Wahlperiode hat einen Moment lang Unsicherheit bei Lehrern und Eltern der Gemeinschaftsschule Pieschen ausgelöst. Die Zukunft des Experiments schien unsicher, weil in der Koalitionsvereinbarung klargestellt wird, dass es zumindest keine Weiterungen davon geben soll. „Die bisher genehmigten Schulversuche zur Gemeinschaftsschule werden abgeschlossen und evaluiert“, heißt es in dem Vertrag. Inzwischen werden Zweifel beiseite gedrängt.
Schulleiterin Petra Bräutigam stellt klar: „Wir haben einen offiziellen Bescheid des Kultusministeriums und setzen diese Arbeit selbstverständlich fort. Das sind wir auch den Eltern und Kindern schuldig.“ Eltern wollen Fortsetzung Die Eltern betonten bei einem Treffen des Elternrats ebenfalls, dass sie selbstverständlich von einer Fortsetzung des Schulversuchs ausgehen. „Wir wollen die Schule“, bekräftigte Madeleine Kretzschmar aus dem Gremium. Immerhin war es eine Elterninitiative, die auf die Bildung der Gemeinschaftsschule im Jahr 2008 gedrängt hatte.
Die Stadt weist ebenfalls auf die Genehmigung des Experiments bis 2014 hin. Sie vertraue auf die Gültigkeit des Bescheides, teilte das Presseamt mit: „Es gibt keine Anzeichen für eine vorzeitige Beendigung des Schulversuches.“
Grünen-Stadtrat Stephan Kühn erklärte dagegen, dem Modellprojekt Gemeinschaftsschule sei mit dem Koalitionspapier „die Zukunft geraubt“. Die Schüler der jetzigen fünften Klassen würden durch die Befristung bis 2014 nicht mehr ihren Abschluss in dem Modell machen können. Es sei daher auch offen, ob die Schule im nächsten Jahr noch neue Schüler aufnimmt.
Die FDP im Landtag, die im Wahlkampf noch für längeres gemeinsames Lernen eingetreten war, hielt sich zurück. Schulexperte Torsten Herbst wollte sich nicht dazu äußern. Sprecher Andreas Nowak sagte lediglich, es sei Sache des künftigen Kultusministers, was der Koalitionsvertrag für jede einzelne Schule bedeute. Bisher gibt es neun Gemeinschaftsschulen in Sachsen.
Die Pieschener Einrichtung wird in Kürze erstmals ausgewertet. Wissenschaftler der TU Dresden werden dazu mit einem Fragebogen anrücken, kündigte Schulleiterin Bräutigam an.