Mehr Lebensqualität, weniger Asphalt: Warum Dresden aus den Fehlern der 90er lernen muss
Grüne Fraktion bringt Antrag für rationale Verkehrsplanung ein
Insbesondere in den 90er und Anfang der 2000er galt in der Dresdner Verkehrsplanung vorrangig ein Prinzip: Höher, schneller, weiter!
Susanne Krause, Sprecherin für Stadtentwicklung der Bündnisgrünen Fraktion, stellt fest: “Die Ergebnisse dessen müssen wir heute noch teuer bezahlen: Aktuell muss der Tunnel am Wiener Platz für ca. 20 Mio Euro saniert werden, die Waldschlösschenbrücke kostet den Stadthaushalt pro Jahr 1,5 Mio Unterhalt und auch völlig überdimensionierte Verkehrsprojekte wie die vierspurige Waltherstraßenbrücke über den Güterbahnhof Dresden Friedrichstadt oder die vierspurige Weiterführung der Coventrystraße nach dem Autobahnanschluss müssen irgendwann für viel Geld saniert werden.”
Um solche Kostenfallen künftig zu vermeiden, hat die Grüne Fraktion einen Antrag eingebracht.
Krause erklärt: “Neben dem finanziellen Aspekt gibt es einen weiteren, mindestens so wichtigen: Menschen halten sich in einer Stadt lieber auf, wenn sie nicht von großen Verkehrsachsen zerschnitten und von Autoverkehr geprägt wird. Viele Europäische Städte wie Paris, London oder Barcelona, um nur ein paar Beispiele zu nennen, haben das erkannt und setzten konsequent auf Lebensqualität statt Stadtautobahnen.”
Trotz Bevölkerungswachstums geht auch in Dresden der Autoverkehr seit Jahren zurück, viele Menschen sind bevorzugt mit Bus und Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.
“Der Stadtrat hat in vergangenen Jahrenwiederholt Beschlüsse für überdimensionierte Verkehrsprojekte gefasst, die angesichts der Haushaltslage und der Verkehrszahlen nicht mehr zeitgemäß sind: Einen vierstreifigen Ausbau der Magdeburger Str., einen ebenfalls vierspurigen Ausbau der Königsbrücker Straße Nord und vier Autospuren für die Carolabrücke”, zählt Krause auf.
“Seit Monaten hören wir von Fachleuten, dass es für die verkehrlichen Anforderungen keine vier Autospuren auf der Carolabrücke braucht. Unnötige Spuren müssen wir mit Kredit bezahlen und wir belasten auch künftige Haushalte mit hohen Unterhalts- und Sanierungskosten”, warnt Krause.
Eine zeitliche Verzögerung für die Carolabrücke ist durch eine Änderung des Stadtratsbeschlusses auf 2 Spuren nicht zu befürchten: Alle bisher vorgelegten Planungen lassen sich ausdrücklich auf mit weniger Spuren verwirklichen – es müsste als nicht neu geplant werden.
“Wenn es am Ende daraus hinausläuft, dass wegen der Kosten für die vier Autospuren die wegweisenden Vorschläge der Planungsbüros für eine wirkliche Anbindung der Brücke an Innenstadt und Elbufer weggestrichen werden, vergeben wir uns als Stadt eine bedeutende Chance für eine Aufwertung des Bereichs zwischen Synagoge und Carolaplatz”, warnt Krause abschließend.