Entgegnung auf die Pressemitteilung der Gesellschaft Historischer Neumarkt zur Flusswärmepumpe

Mit unzeitgemäßen Verkehrskonzepten gegen die bestmögliche Form der Wärmeversorgung?
Klimaschutz ist unerlässlich. Für eine lebenswerte Zukunft sowohl auf diesem Planeten Erde und auch in unserer wunderschönen Stadt Dresden müssen wir das Verbrennen fossiler Rohstoffe wie Öl, Kohle und auch Gas beenden. Neben uns Menschen leiden übrigens auch unzählige Kulturdenkmale unter den Folgen der Klimakatastrophe. Wer unser gebautes Erbe aus vielen Jahrhunderten vor Sturzfluten, Hochwassern, statischen Problemen durch sinkende Grundwasserspiegel oder Verlust historischer Bemalungen und Putze durch langanhaltende Extremwetterlagen schützen will, muss für Klimaschutz kämpfen. Und zwar jetzt.

Mit der von der SachsenEnergie geplanten Flusswassergroßwärmepumpe gibt es ein höchsteffizientes und sehr sinnvolles Projekt. Sie wird 45.000 Haushalte auf einen Streich klimaneutral mit Wärme versorgen. Mit etwa einem Sechstel wäre das ein bedeutender Beitrag für eine klimafreundlichere städtische Wärmeversorgung. Wir könnten uns und kommende Generationen unabhängiger von russischem Gas oder seinen astronomisch teureren Alternativen machen.

Eine große technische Anlage im Herzen der Stadt kann natürlich zunächst irritieren. Vielen markanten und heute liebgewonnenen Baudenkmalen ist es so ergangen. Mit der Auslobung eines Architekturwettbewerbs und bereits erkennbaren Anklängen einer gestalterischen Antwort auf die bloße Hallenstruktur sind wichtige Schritte getan. Für die Qualität der Umsetzung lohnt es sich allemal zu streiten – und dafür werden wir kämpfen, genau wie für mehr Klimaschutz.

Aber das ganze Projekt verwerfen, weil uralte Konzepte dort noch mehr Straßenraum herbeisehnen? Die dritte Marienbrücke wurde mit dem Bau der Waldschlößchenbrücke faktisch beerdigt. Nur weil die Bereiche westlich des Bahndamms vielleicht keine touristischen Qualitäten im Sinne der Ziele des Vereins Historischer Neumarkt aufweisen, sind die Gebiete dennoch nicht geeignet, zusätzliche Einbußen an Lebensqualität durch noch mehr Kfz-Verkehr hinzunehmen. Spätestens mit dem Bau des gerade erst eröffneten Berufschulzentrums an der Freiberger Straße sind Ideen eines noch stärker verkehrsbelasteten, verdoppelten Innenstadtrings obsolet. Auch das Durchschneiden des Weißeritzgrünzugs, einer wesentlichen Erholungszone für Löbtau und Friedrichstadt, steht den Bemühungen für eine durchgrünte Stadt entgegen.
Und städtebaulich? Mit 18 Metern Höhe, also einem Gebäude von etwa fünf bis sechs Etagen vergleichbar, wird die Wärmepumpe am geplanten Standort hinter den Baumreihen der Pieschener Allee von den Aussichtspunkten an der Molenbrücke oder dem Ballhaus Watzke kaum wahrnehmbar sein. Die Yenidze und das Heinz-Steyer-Stadion bekämen eine neue Nachbarin – die drei würden sich sicher gut vertragen und könnten sich abenteuerliche Geschichten über ihre Entstehung erzählen.

Die Blickachsen von Pieschen auf die Flusswassergroßwärmepumpe (rot), wesentliche Türme der Innenstadt (orange) sowie das haushohe Flächennaturdenkmal Pieschener Allee (grün):

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