Dresdens digitale Dauerbaustelle
Bündnisgrüne kritisieren Planlosigkeit und „Prinzip Hoffnung“ bei E-Akte und Digitalisierung im Rathaus
„Schluss mit dem Durchwursteln bei der Digitalisierung! Wir brauchen endlich eine konsequente Digitalstrategie, die alle Prozesse steuert, objektive Messwerte für Fortschritte einführt und konsequent Probleme behebt“, sagt Moritz Knobel, Sprecher für Digitalisierung der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Stadtrat Dresden.
Die Digitalisierung der Dresdner Stadtverwaltung gleicht einer Dauerbaustelle ohne Bauplan. Während bundesweit die Städte konsequent digitalisieren, verliert sich die Landeshauptstadt in vagen Skizzen und technischen Unzulänglichkeiten.
„Prinzip Hoffnung“ statt Projektmanagement
Hintergrund der Kritik ist eine aktuelle Anfrage der Bündnisgrünen Fraktion zur Einführung der E-Akte und Stand der Digitalisierung. Die Antworten der Verwaltung offenbaren gravierende Defizite: Zwar gilt das Ziel 2030 für die vollständige Einführung der E-Akte, doch für 14 Organisationseinheiten – also rund 30 Prozent der Verwaltung – existiert zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt kein Zeitplan. Dieser soll erst Ende 2026 erstellt werden. Dies deute auf ein reaktives Management hin, das Risiken eher verwaltet als aktiv steuert.
Hinzu kommen technische Mängel: Das eingesetzte System „VIS“ kämpft bei großen Dokumenten mit massiven Ladezeiten, was die versprochene „Digitalisierungsrendite“ schon im Keim erstickt, weil die Mitarbeiter*innen minutenlang tatenlos vorm Bildschirm sitzen müssen.
Digital-Chaos im Rathaus
Besonders schwer wiegt das Fehlen eines übergeordneten strategischen Rahmens. Seit Jahren arbeitet die Verwaltung an der Digitalisierung, ohne dass eine übergeordnete Strategie vorliegt.
„Die im Nachgang zu unserem Antrag angekündigte `strategische Grundlage für Digitalisierung` der Verwaltung befindet sich seit Monaten im `verwaltungsinternen` Umlauf, ein politischer Offenbarungseid. Ohne eine klare Strategie bekommen wir teure Insellösungen und technisches Stückwerk“, kritisiert Moritz Knobel weiter. „Dresden darf nicht den Anschluss in der digitalen Verwaltungsmodernisierung verlieren.“
Entscheidung morgen im Stadtrat
Die BÜNDNISGRÜNEN Fraktion will diesen Zustand beenden. Am kommenden Donnerstag wird der GRÜNE Antrag für eine umfassende Digitalisierungsstrategie im Stadtrat behandelt. Ziel ist es, alle laufenden Prozesse in einer einheitlichen Strategie zu bündeln, zu priorisieren und in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Es gilt, die Verwaltung mit klaren Leitlinien und Zuständigkeiten aus dem „Umlauf-Nirvana“ zu holen.
Anfrage: AF1199_26_Digitalisierung
Link zum Antrag: https://ratsinfo.dresden.de/vo0050.asp?__kvonr=29086