Grüne fordern Vorrang für wirksamen Hitzeschutz

Entschlossenes Handeln ist jetzt das Gebot der Stunde

23.07.2026

Hinter uns liegt die schwerste Hitzewelle, die Deutschland je erlebt hat. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hat sie zu mehr als 7.000 Todesfällen geführt (1). Umgerechnet bedeutet dies, dass in den letzten Wochen etwa 50 bis 60 Menschen auch in Dresden aufgrund der Hitze gestorben sind. Dennoch gibt es keinen Aufschrei. Solche Perioden extremer Hitze aufgrund des menschengemachten Klimawandels werden nach allen Prognosen von Meteorologen und Klimaforschern in Zukunft noch viel häufiger und länger auftreten. Ebenso steigt die Wahrscheinlichkeit für andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen. Kommunen müssen ihre Bürgerinnen und Bürger vor solchen lebensbedrohlichen Ereignissen besser schützen.

Die Stadtverwaltung hat dem Stadtrat jetzt einen Hitzeaktionsplan im Entwurf vorgelegt (2). Der Plan ist stark in der Problembeschreibung, bezüglich der geplanten Maßnahmen und deren Umsetzung bleibt er aber deutlich hinter den Notwendigkeiten zurück. So sind zur Umsetzung bis 2030 jährlich lediglich 50.000 € vorgesehen, mit denen weitgehend nur Informationskampagnen finanziert werden können. Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wird daher einen Ergänzungsantrag mit weitergehenden Forderungen vorlegen.

Dazu Stadtrat Dr. Wolfgang Deppe, umwelt-, klima- und gesundheitspolitischer Sprecher der Bündnisgrünen Stadtratsfraktion: „Entschlossenes Handeln ist jetzt das Gebot der Stunde. Wir fordern daher die Verwaltung auf:
· unverzüglich einen Notfallplan zu erarbeiten, der ab einer bestimmten Schwelle durch die Stadt zu organisierende Hilfsangebote für besonders von Hitze betroffene Menschen zur Umsetzung bringt
· die Liste und Karte mit „kühlen Orten“ (Verwaltungsgebäude, Museen, Kirchen, Einkaufszentren u.a) für das gesamte Stadtgebiet schon bis Frühjahr 2027, statt bisher vorgesehen 2028, umzusetzen. Neben der unentgeltlichen Zugänglichkeit sind gegebenenfalls auch Betreuungsangebote zur Verfügung zu stellen (Beispiel Berlin, 3)
· die Einführung und Verbreitung einer kommunalen Warn-App (zusammen mit anderen Städten) zu prüfen, die über die allgemeine Warn-App NINA hinaus gezielte Dresden-spezifische Hinweise zur Lage, zum Verhalten und zu Hilfsangeboten bei Hitze und anderen möglichen Extremereignissen zur Verfügung stellt
· aufsuchende Maßnahmen nach französischem Vorbild (4) zu prüfen, bei denen Sozialarbeiter:innen oder Mitarbeiter:innen des Ordnungsdienstes besonders alte und vereinsamte Menschen in stark belasteten Stadtquartieren und Wohnungen aufsuchen und Hilfe anbieten
· eine:n Hitzebeauftragte:n nach dem Vorbild französischer Städte (4) oder des Saarlands zu bestimmen, die/der in diesem Fall alle Maßnahmen koordiniert und darüber hinaus sich um den präventiven Hitzeschutz in Dresden kümmert
· durch das Gesundheitsamt Hitzeschutzmaßnahmen und Notfallpläne in Alten- und Pflegeheimen zu überprüfen und gegebenenfalls Beratungen zu deren Optimierung durchzuführen
· bis zum nächsten Sommer weitere Trinkbrunnen im Stadtgebiet und weitere Nebelduschen in Fußgängerzonen einzurichten, die kurzfristig für Wasser und Abkühlung sorgen können.“

Ebenso wichtig ist aus Sicht der Bündnisgrünen Stadtratsfraktion der vorbeugende Hitzeschutz. Hier spielen Bäume und Grünanlagen die Hauptrolle. Derzeit stehen in Dresden gerade einmal die Mittel zur Verfügung, um den trockenheitsbedingten Verlust durch Neupflanzungen auszugleichen. Notwendig ist jedoch eine echte Vermehrung von Bäumen und Grünflächen, insbesondere in hitzebelasteten Stadtteilen. Besonders wirksam kann dabei das Konzept der „Tiny Forests“ (5,6) sein, wie es in Dresden pilothaft an der Ammonstraße in Zusammenwirken von bürgerschaftlichem Engagement und Stadt umgesetzt werden soll (7). Dabei werden auf kleinen Flächen (etwa 100 bis 2.000 m²) Bäume gepflanzt, aus denen kleine Wäldchen oder Parkanlagen entstehen, die Mikroklima und Biodiversität wesentlich verbessern können. Solche Flächen lassen sich auch im verdichteten Stadtgebiet in Dresden relativ rasch gewinnen, z.B. auch durch Entsiegelung auf Baubrachen.

Dr. Deppe abschließend: „Insgesamt muss Dresden sowohl für den vorbeugenden Hitzeschutz als auch für Notfallmaßnahmen wesentlich mehr Geld ausgeben. Es reicht nicht aus, wie es der Oberbürgermeister propagiert, Zuwachs von Stadtgrün mit der BUGA 2033 zu verbinden. Schon vor 2033 müssen in Dresden mehr Bäume gepflanzt und das Schwammstadt-Konzept umgesetzt werden. Daher ist zu begrüßen, dass mit der Vorlage zum Hitzeaktionsplan dem Stadtrat jetzt erneut auch das im Dezember 2025 abgelehnte Klimaanpassungskonzept als Grundlage zur Kenntnis gegeben wird.
Dresden muss in Zeiten des galoppierenden und lebensbedrohlich werdenden Klimawandels Prioritäten anders setzen. Trotz einer angespannten Haushaltslage muss der Oberbürgermeister entsprechend mehr Mittel im HH-Entwurf 2027/28 vorsehen. Es ist nicht einzusehen, dass bis zu 40 Mio. Euro zusätzlich für einen unsinnigen vierspurigen Neubau der Carolabrücke ausgegeben werden sollen. Dafür ließen sich z.B. 8.000 bis 10.000 Bäume pflanzen, die 50 Jahre oder länger leben. Gesundheitsschutz muss Vorrang haben!“

Quellen:
(1) Bericht Hitzemortalität
(2) V0851/26 vom 03.06.2026
(3) https://kuehle-orte.berlin.de
(4) Deutschlandfunk, Europa heute vom 15.07.2026
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Tiny_Forest
(6) https://www.tagesschau.de/wissen/klima/tiny-forests-100.html
(7) https://meinbaum-meindresden.org/waldinseln/

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