Endlich Entscheidung im Stadtrat:

Gedenkort Leipziger Bahnhof kann weiterentwickelt werden

30.01.2026

Mit einer knappen Mehrheit von 36 zu 35 stimmte der Stadtrat gestern für den interfraktionellen Antrag von Grünen, SPD und FDP/FB-Fraktion die dafür vorgesehen Mittel von 100.000 € für die Weiterentwicklung des Gedenkorts Alter Leipziger Bahnhof freizugeben. CDU, AfD und Team Zastrow stimmten dagegen.

Ulla Wacker, kulturpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen Fraktion erklärt: „Ich bin sehr froh, dass der Verein seine wichtige Arbeit weiterführen kann und die Konzeptarbeit nach einem Jahr Pause wieder aufgenommen werden kann, unabhängig von der Grundstücksfrage. Dafür habe ich mich in den Verhandlungen mit allen demokratischen Fraktionen nachdrücklich eingesetzt.“

Der Alte Leipziger Bahnhof ist ein historisch belegter Ort der Deportation Dresdner Jüdinnen und Juden. Im April 2021 beschloss der Stadtrat einstimmig, diesen Ort zu einem Gedenk- und Lernort mit jüdischer Bildungs- und Begegnungsfunktion zu entwickeln. Das Grundstück ist im Eigentum von Globus, die Stadt verhandelt seit geraumer Zeit über die Übertragung zurück an die Stadt.

Die Vermittlungs- und Aufklärungsarbeit über die Gräueltaten, die auch in Dresden ihren Ausgang nahmen, ist heute wichtiger denn je. Wir erleben einen gesellschaftlichen Rechtsruck, Antisemitismus, Vergessen und Relativierung der historischen Verantwortung nehmen zu und prägen auch die jüngeren Generationen. Der Zulauf zu rechtsextremen Jugendorganisationen wie der „Elblandrevolte“ ist ein Warnsignal an uns als Gesellschaft“, warnt die Stadträtin.

„Umso wichtiger wäre es gewesen, dass sich der Stadtrat mit einer breiten Mehrheit zu dieser Erinnerungs- und Gedenkarbeit bekennt.“

Grundlage für die pädagogische Bildungs- und Vermittlungsarbeit ist aber damit einhergehende Forschung und die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Beitreibungskonzepts. Es ist wichtig, jetzt weiterzuforschen, den letzten Zeitzeugen bleibt nicht mehr viel Zeit, ihr Wissen weiterzugeben.

Die Ergebnisse der Aufarbeitung und auch Teile des Konzeptes können in jede wie auch immer geartete museale und kulturelle Aufbereitung in Dresden fließen und sind daher sehr wertvoll.

„Das Wissen darum, dass Dresden keine „unschuldige Stadt“ war, muss im Bewusstsein der Stadtgesellschaft verankert bleiben und Grundlage für unser Handeln sein.

Erinnerungskultur heute steht unter Druck. Gerade deshalb dürfen wir uns nicht wegducken. Schwierige Zeiten sind genau der Moment, in dem sich zeigt, ob demokratische Bekenntnisse tragen.

Die CDU muss ihren nicht nachvollziehbaren Schlingerkurs aufgeben und sich hinter die Entwicklung dieses Gedenkorts stellen, wie sie ihn vor 5 Jahren und im laufenden Doppelhaushalt mitbeschlossen hat“, fordert Ulla Wacker abschließend.

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