Geburtenrückgang dramatischer als erwartet
Dresden muss jetzt konsequent attraktiver werden
Die aktuellen Bevölkerungsdaten prognostizieren einen deutlich stärkeren Geburtenrückgang in Dresden als noch im Jahr 2023 angenommen. Seit 2022 sind die Geburtenzahlen in Dresden um rund ein Drittel eingebrochen. Die Annahme einer schnellen Erholung hat sich nicht bestätigt. Zwar wird langfristig wieder moderates Bevölkerungswachstum erwartet, kurzfristig entsteht jedoch ein erhebliches Geburtendefizit.
„Dass die Geburtenzahlen so stark zurückgehen, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal“, erklärt Katharina Ringler, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Die Auswirkungen treffen Kitas und Grundschulen und weitere Bildungsformen mit einem Zeitverzug von etwa drei Jahren. Sie wirken weit darüber hinaus auf Arbeitsmarkt, Wohnungsbau und sozialen Zusammenhalt.“
Auch wenn dies eine bundesweit zu beobachtende Entwicklung ist, zeigt die Grüne Stadtratsfraktion sich besorgt über diese Entwicklung und fordert eine konsequente Strategie, um Dresden als lebenswerte, familienfreundliche, weltoffene und zukunftsfähige Stadt zu stärken.
„Den Geburtenrückgang am fehlenden Mut der Dresdnerinnen festzumachen, wie es Bürgermeister Pratzka tut, bringt uns nicht weiter“, kritisiert Ringler. „Wir müssen als Stadt die richtigen Bedingungen schaffen.“
„Zusätzlich haben wir ein ernstes Problem dabei, internationale Studierende und junge Fachkräfte nach dem Studium in Dresden zu halten und Familien aus dem Ausland dauerhaft für unsere Stadt zu gewinnen“, nennt Ringler einen weiteren Faktor.
Aus Sicht der Grünen Fraktion reicht es nicht aus, allein auf steigende Geburtenzahlen zu hoffen. Vielmehr müsse Dresden gezielt daran arbeiten, für junge Menschen, Familien und Menschen aus anderen Ländern attraktiver zu werden.
„Wir müssen Dresden so gestalten, dass Menschen gerne hierher ziehen und bleiben wollen – mit bezahlbarem Wohnraum, guter Bildung, einer starken sozialen Infrastruktur und einer lebenswerten, klimagerechten Stadt“, so Ringler weiter. „Gute Bedingungen für Integration gehören zwingend dazu.“
„Eine offene Stadt, die Zugewanderte willkommen heißt, Verfahren beschleunigt und Teilhabe ermöglicht, ist kein Nice-to-have, sondern eine Voraussetzung für Dresdens Zukunft. Lange Wartezeiten bei der Einbürgerung und überlastete Verwaltungsstrukturen wirken abschreckend – mit der Folge, dass Menschen sich für andere Städte entscheiden“, warnt Ringler.
Die Grüne Fraktion wird die Entwicklung politisch eng zu begleiten und weitere Fragen an die Stadtverwaltung stellen. Im Fokus stehen funktionierenden Integrations- und Einbürgerungsprozesse und die Frage wie Kita-, Schul- und Stadtentwicklungsplanung an die neuen Realitäten angepasst werden können – vorausschauend, flexibel und ohne kurzfristige Fehlsteuerungen.
Hintergrund:
Verstärkt wird der Geburtenrückgang durch die Bevölkerungsstruktur: Aufgrund der niedrigen Geburtenzahlen vor rund 30 Jahren in Ostdeutschland gibt es heute deutlich weniger Frauen im gebärfähigen Alter. Das wirkt sich unabhängig vom individuellen Geburtenverhalten aus. Das individuelle Geburtenverhalten bleibt dabei weitgehend stabil. Die durchschnittliche Geburtenrate lag 2023/24 bei 1,09 und 2024/25 bei 1,10 Kindern je Frau. Eine langsame Erholung auf etwa 1,3 je Frau wird frühestens bis 2035 erwartet.